Der Wünschewagen- ein außergewöhnliches Projekt des ASB

Fraktion und Mitglieder der Freien Wähler Marbach spenden zu Weihnachten.

Bald feiern wir Weihnachten: Ein christliches Fest der Liebe und – wer denkt heutzutage und in unserem Kulturkreis nicht auch daran – ein Fest der Wünsche und Geschenke. Im Laufe unseres Lebens werden vielerlei Wünsche erfüllt. Ein ganz besonderer Wunsch, der letzte Wunsch vor unserem Ableben, bleibt aber leider oft und aus vielerlei Gründen unerfüllt. Je nach Mensch, nach Alter und Lebenssituation differieren die Wunschträume. Eines ist ihnen aber gemein: Es sind Herzenswünsche, deren Verwirklichung sterbenskranken Menschen eine tiefe innere Freude bereitet. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat sich vorgenommen, dabei mitzuhelfen, die Erfüllung solcher Wünsche zu ermöglichen.

Ursprünglich stammt die Idee des Wünschewagens aus den Niederlanden. In Deutschland nahm der erste Wünschewagen 2014 beim ASB Ruhr seine Arbeit auf. Mittlerweile wurden in ganz Deutschland flächendeckend 20 Wünschewagen stationiert, zwei Krankentransportwagen decken die Region Baden-Württemberg ab (Standorte sind Ludwigsburg und Mannheim). Die Anschaffung weiterer Fahrzeuge ist geplant.

Tanja Lutz, Stadträtin der Freien Wähler Marbach, Rettungssanitäterin und Hauptbrandmeisterin erfuhr vom Konzept des Wünschewagens und schlug der Fraktion vor, die diesjährige Weihnachtsspende diesem wundervollen Projekt zukommen zu lassen. Es ist schon lieb gewonnene Tradition, dass die Fraktion der Freien Wähler Marbach zur Weihnachtszeit einen Teil des gesparten Sitzungsgeldes für ein gemeinnütziges Projekt spendet. Um die Spende entgegenzunehmen, kamen Frau Silke Löser, Projektleitung Wünschewagen, Herr Daniel Groß, stellvertretender Landesgeschäftsführer und Geschäftsführer des ASB Region Ludwigsburg und Herr Hans Ulrich Oppenländer, Vorsitzender des ASB Region Ludwigsburg, mit ihrem weiß-blau-roten Wünschewagen nach Marbach, wo sie von Vertretern der Fraktion der Freien Wähler erwartet wurden.

„Unsere Fahrzeuge sind“, so schilderte Silke Löser, „speziell für diesen Zweck konzipiert. Ähnlich wie ein Krankenwagen, sind die geräumigen Wünschewagen mit einer kompletten Notfallausrüstung ausgestattet.“ Die Begleitung und Betreuung während der Wunschfahrt übernehmen ehrenamtliche Helfer aus den Bereichen Rettungsdienst und Pflege. Selbstverständlich wird von Seiten der mitfahrenden Helfer alles Menschenmögliche getan, um dem Fahrgast den Ausflug so angenehm und komfortabel wie möglich zu machen. Frau Löser erzählte von einem 28 Jahre jungen Mann mit einer schweren Muskelerkrankung, der zuvor schon viele Jahre zuhause im Bett liegen musste. Sein Herzenswunsch: „Ich möchte noch einmal meine Heimatstadt sehen“. Im rundumverglasten ASB-Wünschewagen mit freier Sicht in alle Richtungen durfte der junge Mann liegend durch seine Stadt fahren und erlebte noch vor seinem nahenden Tod – über das ganze Gesicht strahlend – wundervolle Stunden.

„Unser Projekt wird ausschließlich durch Spenden, ggf. auch durch die Mitgliedsbeiträge des gemeinnützigen ASB  finanziert“, erklärte Frau Löser weiter. Die Fahrt mit dem Wünschewagen soll, so sei das Konzept, für den Erkrankten und eine Begleitperson kostenfrei sein. Der finanzielle Aufwand zur Erfüllung eines Herzenswunsches sei in der Regel relativ überschaubar, so Silke Löser, allerdings brauche man Geld für die Fahrzeuge (etwa 100.000 € Anschaffungskosten), deren Wartung, für Fortbildungen und Schulungen von Mitarbeitern sowie für die (wenigen) hauptamtlichen Kräfte, die das Projekt vorantreiben. Die mitfahrenden Helfer, Krankenschwestern, Ärzte, Rettungssanitäter arbeiteten ehrenamtlich in ihrer Freizeit.

Wer kann nun von diesem Angebot profitieren?  „Im Prinzip jeder“, antwortete Frau Löser, „wir beschenken sterbenskranke Menschen jeden Alters. Unser jüngster Fahrgast war gerade einmal 20 Jahre, der älteste 100 Jahre alt“. Es gebe allerdings ein paar Vorgaben, die abgearbeitet werden müssten, bevor der todgeweihte Mensch seine Wunschreise antreten dürfe. Die Fragebögen des ASB müssten ausgefüllt werden und ein Arzt müsse vorher die Reisefähigkeit des Kranken attestieren. Erst wenn alle Unterlagen vollständig eingegangen seien, gingen die hauptamtlichen Mitarbeiter in die Endphase der Planung, um den Wunsch erfüllen zu können. Der Aufwand zur Realisierung einer solchen Fahrt sei manches Mal immens, so müsse man z.B. geeignete Übernachtungsplätze finden, sollte die Entfernung vom Wohn- zum Wunschort zu groß sein. „Wir reisen aber nur innerhalb Deutschlands“, erläuterte Frau Löser. Das habe rechtliche Gründe, da wichtige Dokumente im Ausland keine Gültigkeit hätten. Wir waren mit unseren Fahrgästen schon am Bodensee, in Stuttgart in der Wilhelma, an der Ostsee, bei Konzerten u.s.w. 87 Anfragen erreichten das Team des Wünschewagens Ludwigsburg seit der Gründung im Nov. 2017, davon konnten 30 Herzenswünsche in Baden-Württemberg erfüllt werden, bundesweit wurden 1100 Wünsche wahr. Das Team würde sich über neue Kollegen, die ehrenamtlich mitarbeiten möchten, sehr freuen, genauso über Spenden, die eins zu eins dem Projekt zugute kommen werden.

Da das Konzept des Wünschewagens (Letzte Wünsche wagen) viele Mitglieder des Ortsverbandes der Freien Wähler Marbach ansprach, beteiligten auch sie sich an der Weihnachtsspende der Fraktion. Es kam letztlich eine schöne, runde Summe zusammen. Freudig nahmen Frau Silke Löser, Herr Daniel Groß und Herr Hans Ulrich Oppenländer den Scheck aus den Händen von Frau Lutz und dem FW-Vorsitzenden Michael Herzog entgegen.

Birgit  Scheurer

 


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